Artikel erschienen in ORTHOpress 1/2004

Rückenschmerzen:
Sanfte Handgriffe mit großen Folgen

Die Manuelle Medizin rückt den schmerzhaften Blockaden zu Leibe

Blockierungen können weitreichende Folgen mit sich bringen. Die Beschwerden reichen von einem leichten Druckgefühl bis hin zu muskulären Verspannungen. Wenn erst einmal eine Sperre im Bewegungsablauf eines Gelenks auftritt, beeinträchtigt dies möglicherweise den kompletten Bewegungsablauf im Gesamtorgan wie zum Beispiel der Wirbelsäule.

Wirbelgelenksblockierungen kann man sich so vorstellen, als hätten sich bei einer Schmuckkette zwei oder mehr Glieder miteinander verhakt. Die Geschmeidigkeit der Kette geht auf diese Weise vollkommen verloren. So kommt es insbesondere bei Blockaden in der Halswirbelsäule häufig zum Auftreten von Kopfschmerzen, aber auch Schwindel oder Übelkeit. Eine weitgehend schmerzfreie Methode, um funktionelle Veränderungen am Bewegungsapparat diagnostisch zu erfassen und zu therapieren, ist die Manuelle Medizin. Die Orthopäden René Conrads, Dr. Georg Schmitt und Dr. Robert Döhmen von der Privatärztlichen Gemeinschaftspraxis „Orthopädie am Stadtwald“ in Köln setzen dieses Behandlungskonzept bereits seit einiger Zeit ein. „Diese Therapieform“, erläutert René Conrads, „setzt uns in die Lage, reversible Funktionsstörungen, die auf Gelenkverformungen, Blockierungen oder Haltungsfehlern beruhen, zu lindern oder ganz zu beheben. Für die Patienten ist das insbesondere auch deshalb von Vorteil, weil wir ihnen so unter Umständen die Einnahme starker Medikamente ersparen können.“

Das Krankheitsbild diagnostisch exakt erfassen

Vor jeder Behandlung muss zunächst geklärt werden, ob eine Manuelle Therapie überhaupt in Frage kommt oder ob ein Krankheitsbild vorliegt, das eine andere Therapieform nahe legt, wie zum Beispiel eine entzündliche Erkrankung oder ein Unfall-Spätfolge-Syndrom. Dazu ist neben einer ausführlichen Befragung des Patienten eine manualmedizinische Diagnostik erforderlich. Voraussetzung für eine genaue Befundbeschreibung ist eine exakte Orientierung an der Körperoberfläche. Zu diesem Zweck sind eine Reihe von Orientierungspunkten an Extremitäten und Wirbelsäule festgelegt worden, die bei der Untersuchung ertastet werden. „Darüber hinaus kann in besonderen Fällen auch eine ergänzende Röntgenuntersuchung sinnvoll sein“, erklärt Dr. Döhmen.

Minimaler Kraftaufwand – dauerhafte Schmerzlinderung

Die Manuelle Therapie kann an allen Wirbelgelenken und Gelenken der Gliedmaßen angewandt werden. Um eine schmerzfreie Behandlung zu ermöglichen, ist es wichtig, dass der Patient zunächst richtig gelagert wird. „Natürlich ist es wichtig, dass ein gut ausgebildeter Spezialist die Sache in die Hand nimmt“, erläutert Dr. Schmitt. „Wir haben es hier mit einer Behandlungsmethode zu tun, die sehr viel Einfühlungsvermögen und im wahrsten Sinne des Wortes Fingerspitzengefühl von Seiten des Arztes verlangt.“ Durch geübte Griffe, die nicht gewaltsam oder schmerzhaft sein dürfen, bringt der Therapeut die verschobenen Gelenke wieder in die richtige Position. Dabei kommt neben Druck, Ruck oder Drehung, der so genannten Manipulation, auch die sanfte Dehnung, die Mobilisation, zum Einsatz. Bei minimalem Kraftaufwand werden kurze, rasche oder sich wiederholende Bewegungen ausgeführt. Zu den wichtigsten Heilanzeigen zählen Rückenschmerzen, eine eingeschränkte Beweglichkeit des Rückens und der Glieder, Nackenschmerzen, Schmerzen im Schulter- und Beckengürtel, Migräne sowie bestimmte Formen des Tinnitus. Zu den Kontraindikationen gehören demgegenüber Bandscheibenvorfälle, krankhaft veränderte oder überbewegliche Gelenke, schmerzende Gelenkinfektionen, Osteoporose, frische Weichteilverletzungen und Tumorerkrankungen. In der Regel genügen einige wenige Behandlungen, um die Störung zu beheben. Oft sind die Schmerzen nach Beseitigung der Ursachen schlagartig verschwunden. „Um einen bleibenden Erfolg zu erzielen“, so René Conrads, „schlagen wir darüber hinaus ein umfassendes Aufbauprogramm vor und besprechen mit dem Patienten vorbeugende Maßnahmen. In der Regel geben wir beispielsweise Ratschläge für die richtige Körperhaltung oder Tipps zur richtigen Schlaf- oder Sitzunterlage. Falls es nötig ist, schlagen wir auch weiterführende Behandlungen, zum Beispiel spezielle gymnastische Übungen oder Physiotherapie, vor.“

Akupunktur stabilisiert die Körperkräfte

Manuelle Medizin und Akupunktur sind zwei Behandlungsformen, die sich bei zahlreichen Beschwerden des Bewegungsapparates auf ideale Weise kombinieren lassen. „Die schmerz- und entzündungslindernde Wirkung der Akupunktur lässt sich durch die muskelentspannenden Dehntechniken der Manuellen Medizin optimal ergänzen“, betont Dr. Döhmen. „Darüber hinaus wirkt sich die stimulierende Wirkung dieser Behandlungstechnik, bei der keinerlei Nebenwirkungen auftreten, günstig auf das Immunsystem aus.“ Durch Reizung von genau festgelegten Punkten der Haut können Störungen im gesamten Organismus gelindert und oft sogar beseitigt werden. Die Punkte liegen auf Leitlinien, den so genannten Meridianen, durch die nach chinesischer Auffassung die Lebensenergie fließt. Ein Ungleichgewicht dieser lebenserhaltenden Kräfte führt zu Beschwerden und Krankheiten. Um das Gleichgewicht wieder herzustellen und die Krankheit wirkungsvoll zu behandeln, muss die Energie des gesamten Meridians als Funktionskreis mit seinen zugeordneten Organen stabilisiert werden.

Die Mikrostromtherapie aktiviert Heilströme

Eine weitere Behandlungsmethode aus dem Spektrum der sanften Medizin, die die Kölner Orthopäden einsetzen, ist die Mikrostromtherapie. „Dabei handelt es sich um eine Elektrotherapie mit minimalen, körperidentischen Strommengen im Mikroampere-Bereich, die den Heilungsprozess beschleunigen“, erläutert Dr. Schmitt. „Die kranken Zellen werden dadurch in einer Sprache angesprochen, die sie verstehen.“ Durch diese Bio-Stimulation lassen sich Heilströme aktivieren, was zu Schmerzlinderung, Stärkung des Immunsystems und Beschleunigung der Regenerationsprozesse führt. Einsatzgebiete dieser Therapieform, die zunehmend auch von Sportvereinen genutzt wird, sind chronische Beschwerden wie Tennisellbogen, Schulterentzündungen und Rückenschmerzen, aber auch akute Störungen und Verletzungen wie Muskel-, Bänder und Faserrisse.

Durch Licht zu neuem Wohlbefinden

Viele Patienten schätzen besonders in der dunklen Jahreszeit die Möglichkeit, ihre Stimmung durch eine Lichttherapie aufzuhellen. In der Gemeinschaftspraxis am Stadtwald stehen zu diesem Zweck Lichtzellen zur Verfügung. Die Lichtreize werden über die Netzhaut aufgenommen und in chemische Reize umgewandelt. Dadurch wird in der Hormonzentrale des Gehirns, dem Hypothalamus, die Ausschüttung von Serotonin aktiviert. Das führt zu einer Verbesserung des körperlichen Wohlbefindens.

Autor: Klaus Bingler